Erschließungen und Bauvorhaben vor Starkregen sichern
23.11.2017
Hydrothemen Nr. 33 / November 2017
23.11.2017

Einsatz von ArcGIS Pro in der Gewässerbewirtschaftung

Esri bietet ArcGIS Pro als zukunftsweisende professionelle GIS-Anwendung für den Desktop-Bereich an. Es ist im Lizenzumfang von ArcGIS Desktop enthalten und als eigenständige Applikation parallel zu ArcMap nutzbar. Im Sommer 2017 erschien das Release 2.0.

Die bestehende Produktlinie um ArcMap („ArcGIS Desktop“) wird grundsätzlich von Esri langfristig weitergeführt: ArcGIS Pro verfügt allerdings über wesentliche zukunftsweisende Architekturmerkmale und Funktionen, die in künftigen Versionen von ArcMap nicht zu erwarten sind.

ArcGIS Pro enthält alle aus ArcMap bekannten Hauptmerkmale. Einzelne Aspekte aus ArcMap fehlen noch, werden aber mit den nächsten Versionen ergänzt. Hydrotec als Esri-Vertriebspartner und als Software-Anwender hat ArcGIS Pro in einigen Projekten bereits eingesetzt. Wir möchten Ihnen einige – durchaus subjektive – Eindrücke vom Arbeiten damit vermitteln.

Moderne Nutzerführung

Die offensichtlichste Änderung im Vergleich zu ArcMap ist sicherlich die modernisierte Nutzerführung. Menüs und Buttons wurden durch die „Ribbons“ ersetzt, die die meisten Anwender bereits aus den neueren Microsoft-Office-Versionen kennen. Eventuell noch wichtiger ist aber, dass ArcGIS Pro nur wenige sogenannte „modale Fenster“ einsetzt und stattdessen mehr kontextsensitive Fenster nutzt.

ArcGIS Pro - Nutzeroberfläche

  • Möchte man in ArcMap bei mehreren Layern die Darstellungsvorschrift ändern, muss man den Symbologie-Dialog für jeden Layer öffnen, die Änderung durchführen und den Dialog wieder schließen.
  • In ArcGIS Pro öffnet man den Symbologie-Dialog nur einmal und aktiviert nacheinander die jeweiligen Layer. Der geöffnete Dialog stellt sich jeweils auf den aktiven Layer ein.
  • Insgesamt wirkt die Nutzerführung aufgeräumter, bietet unmittelbaren Zugriff auf Funktionen und belastet den Nutzer weniger mit der Organisation von  Bedienelementen.

Highlight: 3D-Integration

ArcGIS Pro 3D-Ansicht

In der Vielzahl grundlegend neuer Merkmale das wesentliche Merkmal zu identifizieren ist sicherlich eine subjektive Entscheidung. Auffälligstes inhaltliches Highlight ist unserer Ansicht nach die gelungene Integration von 2D- und 3D-GIS-Elementen.

Die 2D- und die 3D-Ansicht einer Karte können direkt nebeneinander angezeigt werden. Die Navigation in der 2D-Ansicht wird auf die 3D-Ansicht übertragen und umgekehrt. Wenn man in der 2D-Ansicht also auf ein Objekt zoomt, führt ArcGIS Pro die 3D-Ansicht mit.

In der hydronumerischen Gewässermodellierung kann man dieses Feature nutzen, um Gewässer- und Geländedaten zu überprüfen und zu plausibilisieren.

Die Performance der 3D-Ansicht ist bei Wahl geeigneter Datenquellen gut.

ArcGIS Pro 2D-Ansicht

Softwarearchitektur

ArcGIS Pro basiert auf Microsofts .Net-Framework sowie auf dem neuen plattform-unabhängigen GISKern, den Esri entwickelt hat. Es wird als eine 64-Bit-Anwendung ausgeliefert. Im Gegensatz dazu ist für ArcMap keine 64-Bit-Zukunft geplant.

So wie für ArcMap mit ArcObjects eine leistungsfähige und umfangreiche API zur Verfügung steht, steht auch für ArcGIS Pro ein vergleichbares, dokumentiertes SDK mit .NET-Klassen zur Verfügung.

Leider entspricht das neue für .NET zur Verfügung gestellte ArcGIS Pro SDK nicht dem „ArcGIS Runtime SDK for .NET“. Dies ist für Softwareentwickler und für deren Auftraggeber eine Hürde: Esri stellt zwei verwandte, auf demselben Kern basierende Techniken zur Verfügung, die formal und im Detail aber unterschiedlich sind. Software, die auf Basis des ArcGIS Pro SDK entwickelt wurde, ist nicht kompatibel zum frei erhältlichen SDK und umgekehrt. Entwickler haben eine Entscheidung zu treffen, welche der beiden API sie nutzen wollen oder müssen ihre Software für beide APIs pflegen.

Datenformate

Grundsätzlich lassen sich natürlich fast alle Geodaten, die bisher benutzt wurden, problemlos weiterverarbeiten: Die Geodatenbankenformate sind identisch und ohne Konverter direkt nutzbar und für die ArcMap-Datenformate wie Projekt- und Layerdateien werden einfach zu benutzende Konverter angeboten.

Einzige Ausnahme ist hier das von ArcGIS-Pro nicht mehr unterstützte Personal-Geodatabase-Format („MDB-Dateien“). Der Zugriff auf dieses Format erfolgt über das „Jet-Engine“, das für 64-Bit-Software von Microsoft nicht zur Verfügung gestellt wird.

Für reine GIS-Anwender ist dieser Verlust zu verschmerzen, da das ausgereifte File-Geodatabase-Format für den GIS-Anwender praktisch nur Vorteile gegenüber der Personal-Geodatabase hat. Allerdings ist eine Personal-Geodatabase eben nicht nur über GIS-Produkte von Esri zu verarbeiten, sondern kann auch als eine von Esri unabhängige Datenbank genutzt werden.

Das Datenbankformat SQLite und die damit verbundenen Geodatenhaltungserweiterungen „Geopackage“ und „SpatiaLite“ haben grundsätzlich das Potenzial, die Nachfolge der Personal-Geodatabase anzutreten. Eine wirklich gute Unterstützung dieser Formate fehlt bisher in allen verbreiteten GIS-Systemen. ArcGIS Pro enthält immerhin sehr weitgehende Ansätze.

Wichtige Neuerungen

Tasks

Tasks beschreiben komplexe, standardisierte Arbeitsabläufe, die wiederholt auszuführen sind. ArcGIS Pro leitet den Anwender durch einen Task.

Tasks sind auf dem ersten Blick mit den auch in ArcGIS Pro verfügbaren Models verwandt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Tasks Nutzerinteraktionen unterstützen.

Beispiel: Wenn eine Haltung angelegt wird, müssen auch die entsprechenden Schächte angelegt werden.

Mehrere Layouts

ArcGIS Pro verwaltet in einem GIS-Projekt beliebig viele Layouts (frühere ArcView 3 Anwender werden sich darüber besonders freuen). Auch in den Layouts sind 2D- und 3D-Ansichten miteinander zu kombinieren. Sie können also eine Papier- bzw. PDF-Karte erstellen, die beide Ansichten nebeneinander enthält.

Python/ArcPy

ArcGIS Pro setzt Python 3 ein, das mit einigen veralteten Sprachkonzepten aus Python 2 bricht. Die Anwendungsmöglichkeiten von Python mit ArcPy wurden mit ArcGIS Pro erweitert.

Sharing/Freigaben

Mit ArcGIS Pro erstellte Projekte, Karten, Layer und Geodaten lassen sich mit ArcGIS-Online oder einem anderen Portal im Internet veröffentlichen oder mit anderen Anwendern teilen. Die Vergabe dezidierter Nutzerrechte ist direkt über ArcGIS Pro möglich.

Raster-Funktionen

Raster-Funktionen waren grundsätzlich schon in ArcMap verfügbar, wurden in ArcGIS Pro allerdings erheblich erweitert. Sie sind auf den ersten Blick vergleichbar zu den Spatial-Analyst-Werkzeugen. Viele Anwendungen der Spatial-Analyst-Erweiterung sind mit diesen Raster-Funktionen abzubilden: Unter anderen sind dies Hillshades, Klassifizierungen
sowie mathematische und logische Grundoperationen. Ähnlich dem Modelbuilder lassen sich auch Raster-Funktionen zu längeren Funktionsketten verbinden.

Im Gegensatz zu den Werkzeugen des Spatial-Analyst bleiben Rasterfunktionen immer mit ihrer ursprünglichen Datenquelle verbunden. Wenn das der Funktion zu Grund liegende Raster ausgetauscht wird, ändert sich auch das mit einer Rasterfunktion visualisierte Raster.

Mit ArcGIS Pro starten

ArcGIS-Anwender fragen sich, ob oder wann sie umsteigen sollten und nehmen eine abwartende Haltung ein, da ArcMap weiterhin verfügbar ist, noch weiterentwickelt wird und der Umstieg in der Praxis Hürden beinhaltet.

Wir haben festgestellt, dass ArcGIS Pro einige spannende Neuerungen bietet, die in der Gewässerbewirtschaftung von Nutzen sind, wie z. B. die kombinierte 2D-/3D-Ansicht. Daher möchten wir Sie ermutigen, mit einem geeigneten Projekt in das neue Desktop-GIS einzusteigen, um Anwendungserfahrungen zu gewinnen und den erweiterten Funktionsumfang kennenzulernen.

Hydrotec beabsichtigt, die GIS-Erweiterungen zu unseren Programmen NASIM und Jabron im nächsten Jahr auf ArcGIS Pro umzustellen.

Weitere nützliche Informationen finden Sie unter dem folgenden Link: https://pro.arcgis.com/de/pro-app/get-started/overview-of-arcgis-pro.htm

Dipl.-Math. Benedikt Rothe, Dipl.-Ing. Anne Sintic

Veröffentlicht am 23.11.2017