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Kein Ersatz für kommunale Starkregengefahrenkarten

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) hat im Oktober 2021 eine interaktive Webkarte mit Gefahrenhinweisen zu Starkregen für das Gebiet Nordrhein-Westfalen veröffentlicht (Starkregenhinweiskarte NRW).

Die Starkregenhinweiskarte NRW stellt für Nordrhein-Westfalen hydrodynamisch modellierte Fließgeschwindigkeiten und Überflutungstiefen für zwei Szenarien (90 mm/h und 100-jährlich) dar. Damit stehen erstmalig landesweit Informationen zu diesem Thema zur Verfügung.

Die Starkregenhinweiskarte bietet jedoch keinen Ersatz für kommunale Starkregengefahrenkarten. Kommunen und Bürger*innen erhalten damit vielmehr einen Überblick zu möglichen Gefährdungen und Anhaltspunkte für bestehenden Handlungsbedarf. Im Erläuterungstext zu der Webanwendung heißt es entsprechend (LANUV NRW):

„Dort, wo kommunale Starkregengefahrenkarten bereits existieren, sollten diese konsultiert werden, da örtliche Gegebenheiten auf der lokalen Skale wesentlich besser dargestellt werden können als auf der Skale von Nordrhein-Westfalen. Für Kommunen, in denen noch keine kommunalen Karten zur Starkregengefahr existieren, liefert die Starkregenhinweiskarte NRW des BKG erste valide Erkenntnisse, die im Rahmen der „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement “ vertieft werden sollten.“

Vergleich Starkregenhinweiskarte (oben) und Starkregengefahrenkarte (unten) – Das Hochwasser der Dhünn wird in der Starkregenhinweiskarte NRW des BKG nicht dargestellt.

Nutzung für kommunale Starkregenprojekte

Bei der Erarbeitung von kommunalen Starkregengefahrenkarten können die Hinweiskarten zur Plausibilisierung von Modellierungen herangezogen werden. Eine Verringerung des Arbeitsaufwands ist durch die jetzt veröffentlichten Karten nicht zu erwarten.

Vergleich Starkregengefahrenkarte und Starkregenhinweiskarte

Für die Starkregenhinweiskarte NRW wurde für die Gewässer, die im Rahmen des Hochwasserrisikomanagements (EU-HWRM RL) als Risikogewässer eingestuft wurden, eine unendlich große Aufnahme von Wassermassen („Lochgewässer“) angenommen. Das heißt, dass die Starkregenhinweiskarten für diese Gewässer keinen Abfluss berechnen und keine Ausuferung darstellen.

Eine Gesamteinschätzung der Überflutung muss also durch die Kombination der Hinweiskarte Starkregengefahren mit den Hochwassergefahrenkarten (nach HWRM-RL) erfolgen.

Bei der Erarbeitung von lokalen kommunalen Starkregengefahrenkarten wird diese Unterscheidung i.d.R. nicht gemacht. Die entstehenden Hochwasser werden direkt für alle Fließgewässer berechnet und dargestellt. Dies bedeutet größere Klarheit für die meist fachfremden Bürgerinnen und Bürger, für die es letztendlich keine Rolle spielt, ob ihr Grundstück von einem Starkregen- oder einem Flusshochwasser überschwemmt wird.

Zusätzlich ermöglicht die Erarbeitung von kommunalen Starkregengefahrenkarten die Integration von Hochwasserschutzmaßnahmen in das Simulationsmodell, um ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Sie bietet damit ein wichtiges Werkzeug für eine koordinierte Verbesserung der Hochwasservorsorge auf kommunaler Ebene.

Informationen

Veröffentlicht am 03.11.2021